Wolf Tekook: Durch meine Augen gesehen

Einige Besucher unserer Praxis wissen, dass ich seit längerem neben der medizinischen Arbeit auch in der Kunst aktiv bin. Meine Arbeit ist dort mit dem Namen Wolf Tekook verknüpft. Bisher habe ich Medizin und Kunst strikt getrennt, weil ich glaube, dass jeder Arbeitsbereich für sich die volle Aufmerksamkeit benötigt.

Warum mache ich jetzt eine Ausnahme und präsentiere einige meiner Bilder in unserer Praxis?

Am 2. Januar 2012 ist es genau 30 Jahre her, dass ich – damals noch in meiner Einzelpraxis – zum ersten Mal die Tür geöffnet habe, um Patienten zu zu betreuen. Erstaunlich und sehr erfreulich ist, dass viele Patienten der „ersten Stunde“ noch heute die Praxis regelmäßig besuchen. Nach guter „Hausarztart“ bin ich mit den Besuchern der Praxis zusammengewachsen, kenne ihre Nöte und Sorgen nicht nur im Medizinischen, habe Kinder und Enkel heranwachsen sehen.Die Arbeit macht mir (trotz aller Behinderungsversuche durch die Verwaltungs- Bürokraten und politische Opportunisten) nach wie vor viel Freude.

Auf Anlass dieses kleinen Jubiläums habe ich mich zu dieser Ausstellung entschlossen.

Gezeigt werden Bilder aus drei Projekten:
(Die Links führen zu den entsprechenden Katalogen auf meiner Kunst- Webseite.)

Puppets on Strings

Hauptpersonen dieser Bildserie sind Schaufensterpuppen – einfache oder kunstvolle. Sie agieren an Orten, die sonst den Menschen vorbehalten sind – an einem felsigen Mittelmeerstrand, auf einer Hochebene Madeiras oder in einer Arztpraxis, wo goldglänzende Puppen die Rolle der Heiler und eine ramponierte die Rolle der Kranken übernehmen.Die Puppen nehmen die Rolle von Menschen ein, symbolisieren Typisches oder handeln in absurden Szenarien.Das seltsam Lebendige in den unbelebten Puppen war es, was mich zu dieser Bildreihe inspiriert hat.

Faltitektur und Faltschaften

Die Bilder dieser Reihe zeigen ruhige Landschaftsbilder sowie Architekturaufnahmen, die Knicke und Falten bekommen haben. Der dadurch entstandene neue optische Eindruck zerreißt, trennt oder verbindet – je nach Motiv.In einem Bild vom Vesuv etwa trennt die Faltung die Aschewolke von der darunterliegenden Landschaft.

Ein Knick geht in einem anderen Bild durch eine Großstadt, schiebt sie wie eine Welle vor sich her – ein mögliches Sinnbild für die jüngsten Veränderungen im Nahen Osten.

In einem Bild von der Landschaft vor der Wachtburg strukturiert die Faltung eine ansonsten eintönige Wiesenlandschaft.

Samt und Seide

Diese Bildreihe ist schon einige Jahre alt, wurde aber wegen der Beziehung zu meiner Heimatstadt Krefeld aufgenommen. In surrealen Szenen hebt der (gerade wieder reparierte) Turm der Dionysiuskirche feuerspeiend ab, wird dem Behnischhaus in der Wüste der Platz gewährt, den es in der Realität nicht bekommen hat.

Am Hauptbahnhof bricht der Schluff scheibenzerstörend durch das Fenster, und das ungeliebte „Kunstohr“ am Voltaplatz wird durch Radrennfahrer befahren. Die Bilder karikieren Missglücktes in der Samt- und Seidenstadt, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem Lächeln.

 

Bis zum 30. Juni 2012 ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Praxis zu sehen.

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