Wie gefährlich ist der Beipackzettel?

Arzneimittel-Information kann Patienten verunsichern

„An Nebenwirkungen sind bekannt geworden: Zahnverfall von frühester Kindheit an, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung, Kopfschmerzen. Bei längerer Einnahme können sich Übergewicht, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit einstellen. In diesem Zusammenhang kann die Einnahme zu Bewusstlosigkeit, Schlaganfall, Herzinfarkt, Nervenlähmungen, Nierenversagen, Erblindung, hohem Fieber und  Amputationen von Gliedma8en führen. Bei Diabetikern kann ein Koma ausgelöst werden; bei Anzeichen von Schläfrigkeit, Mattigkeit oder verwaschener Sprache ist sofort ein Arzt zu benachrichtigen, da es binnen kurzem zu Lebensgefahr und bleibenden Hirnschädigungen kommen kann. Bei Überempfindlichkeit gegen einen oder mehrere der Inhaltsstoffe können auch bei erstmaliger Einnahme kleiner Mengen schwere Schockzustände auftreten. Nach Schweißausbrüchen und Schwindel kann es zum plötzlichen Kreislaufzusammenbruch und Bewusstseinsverlust kommen. Eine sofortige Infusion von Volumenersatzstoffen sowie die Gabe kreislaufwirksamer Medikamente ist angezeigt; stationäre Überwachung unter Intensivbedingung ist notwendig bis zur Schockstabilisierung. Zu beachten ist die Wirkungsverstärkung bei gleichzeitiger Einnahme saccharosehaltiger Produkte.“
Würden Sie ein solches Medikament einnehmen, wenn der oben abgedruckte Beipackzettel derartige Risiken verspricht? Sie können unbesorgt sein: Bei diesem lebensgefährlichen Medikament handelt es sich um Schokolade.
Der Beipackzettel wurde in Anlehnung an die gesetzlichen Zulassungsbestimmungen für Medikamente verfasst. Danach müssen alle möglichen Nebenwirkungen eines Medikamentes auf dem Beipackzettel vermerkt sein, damit der behandelnde Arzt im Notfall alle nötigen Informationen greifbar hat. Hierbei spielt es keine Rolle, wie häufig mit solchen Komplikationen zu rechnen ist.
Alle oben aufgeführten Probleme können tatsächlich nach dem Genuss von Schokolade auftreten. Da Schokolade kein Medikament, sondern ein Lebensmittel ist, müssen diese Informationen nicht auf jeder Packung abgedruckt werden.
Wie sehr ernste, oft tödliche Nebenwirkungen in anderen Lebensbereichen akzeptiert werden, können Sie nachvollziehen, wenn Sie an einen Beipackzettel etwa für Autos (2009 zirka 3500 bei Unfällen ums Leben Gekommene  in Deutschland) oder Zigaretten (noch höhere Todeszahlen) denken.
Langjährige Statistiken zeigen, dass es durch den Einsatz der Möglichkeiten moderner Medizin mit den heute vorhandenen Medikamenten zu einem erheblichen Anstieg der Lebenserwartung der Bevölkerung gekommen ist. Um schädlichen Wirkungen aus dem Wege zu gehen, muss jedes Medikament vor der Zulassung zur Behandlung langwierige Testreihen durchlaufen, in dem die Wirksamkeit und Unschädlichkeit nachgewiesen wird. Während die oben genannte Schokolade in jedem Supermarkt frei verkäuflich ist, benötigen Sie für die Einnahme einer Arznei zunächst das Rezept eines Arztes – eines Fachmanns für Ihre Erkrankung. Das Medikament darf Ihnen nur von einem Apotheker abgegeben werde – einem Fachmann für Medikamente.
Daher ist das Risiko von Schäden durch Medikamente weit geringer, als der Beipackzettel vermuten lässt.

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